März 2020:

Die Welt in Zeiten eines „Corona-Virus“

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch wenn es heute nicht vorrangig mit COLT, unserem Kinderheim und Gemeinschaftszentrum zusammenhängt…der Monat März und die nächsten Wochen stehen auch in Kambodscha unter dem Schlagwort „Corona“.

Sicherlich – zwischen China, dem vermeintlichen Land des Aufbruchs dieses Virus, Italien – dem Hotspot und wohl am schwersten betroffenen Land in Europa, Deutschland – als Drehscheine des internationalen Tourismus und Handels und dem fernen Kambodscha liegen Welten – auch was die bislang kommunizierten Zahlen über Infektionen betrifft. Doch auch hier nimmt man diesen Virus nicht auf die leichte Schulter. Die Verbreitung ist mittlerweile ja – unbestritten – weltweit, wie das nachfolgende, aktuelle Schaubild verdeutlicht. Je größer der rote Punkt, desto größer die Zahl bestätigter Infektionen.

Auch in Kambodscha breitet sich das Virus aus. Wurden vor einer guten Woche noch drei infizierte Personen ausgemacht, so liegt die Zahl heute (21.03.2020) bereits bei 79 – Einheimische und ausländische Besucher im Lande. Man darf ein wenig besorgt sein, da das Gesundheitssystem in Kambodscha – begrenzte Zahl an Ärzten, Labore, Kliniken und medizinische Hilfsmittel - nicht sehr stark ist. Darüber hinaus fehlt vielen Menschen das Wissen über Gesundheitsvorsorge und Hygiene.

Die Regierung hat bislang einige Gegenmaßnahmen ergriffen, z. B. wurden die Schulen geschlossen, auch Ansammlung von Menschen sollen derzeit nicht stattfinden. Flüge aus dem Ausland wurden für einzelne Länder unterbunden, die Menschen werden nach Möglichkeit über TV oder die sozialen Netzwerke zu erreichen gesucht, z. B. auch für den Unterricht. Es stehen 2.000 Ärzte bereit, Hilfe zu leisten, so heißt es zumindest.

COLT hat im Moment seine Aktivitäten weitgehend heruntergefahren. Es werden aktuell noch 14 Heimkinder versorgt, vier Angestellte sind vor Ort im Einsatz.
Unsere Sozialarbeit wird aber fortgesetzt, indem wir direkt in die betreffenden Familien gehen und sie dort über das Virus und mögliche, vorbeugende Maßnahmen informieren, aber auch kleine Päckchen mit Hygieneartikeln verteilen. Den Kindern, die sonst zum Unterricht bei COLT kommen, geben wir Unterrichtsmaterial an die Hand, so dass sie zuhause weiterlernen können.
Noch ist in Kambodscha wegen des Virus niemand verstorben, auch wenn das – vermutlich – nur eine Frage der Zeit ist.

 

Während in den letzten Tagen sich in Deutschland die Maßnahmen überschlagen, die die zuständigen Stellen beschließen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen - besser gesagt zu verlangsamen - geht man andernorts auf dieser Welt zögerlich oder „relaxter“ mit diesem Thema um.

Ich selbst muss gestehen – aber das ist meine eigene Meinung - dass ich die in Deutschland und vor allem meinem Heimat-Bundesland Bayern getroffenen Maßnahmen zwar nachvollziehen kann, aber durchaus als überzogen betrachte.
Trotzdem versuche ich mich möglichst strikt an die allgemeinen Einschränkungen im Sinne eines Schutzes der Anderen zu halten.

Sicherlich kann man diesen neuen Virus „Corona“ nicht eins zu eins mit dem Influenza-Virus vergleichen, der für bis zu 30.000 Todesfälle jedes Jahr – allein in Deutschland – verantwortlich ist. Doch dagegen gibt es Medikamente und eine Impfung, die mit großer Wahrscheinlichkeit Krankheitsverläufe mildert und weniger Menschen sterben lässt.
Andererseits wird angesichts dieser zugegeben hohen Zahlen kein sonderliches Aufheben um diese regelmäßige, saisonal vorkommende Krankheit gemacht – ganz anders als bei Corona.
Aufgrund eines fast schon hysterischen Aktionismus werden auch Maßnahmen ergriffen, die finanziell verheerende Auswirkungen auf die Menschen, vor allem Arbeiter und Angestellte, aber auch kleinere und mittlere Unternehmen haben.
Je länger diese „Krise“ dauert, umso eher wird es nicht nur krankheitsbedingt Tote geben.

Aktuell (21.03.2020) werden für Deutschland folgende Infektionszahlen genannt:

Dem gegenüber gelten per gleichem Datum in Kambodscha nur 79 Menschen als mit Corona infiziert. Ob hier die große Welle erst noch kommt, die Maßnahmen gegen eine Ansteckung effektiver, die Registrierung nur lückenhafter oder die Menschen einfach weniger anfällig sind – über all diese Gründe könnte man trefflich spekulieren, aber sie würden doch an der eigentlichen Problematik nichts ändern: Der Vermeidung von Ansteckungen.

Darum – in diesen schwierigen Zeiten – mein Appell an Sie alle…ob unsere Kinder und Belegschaft im Gemeinschaftszentrum, ob unsere Vorstandschaft/en und Mitglieder, unsere Unterstützer und Wohltäter, aber auch jeder andere von Ihnen, liebe Leser – beherzigen Sie die einfach anzuwendenden, hygienischen Maßregeln und halten Sie sich, wo immer es in den nächsten Wochen möglich ist daran, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zurückzufahren.
Sie können dadurch effektiv zur Bewältigung dieser Krise etwas beitragen.

Bleiben Sie gesund!

H. H.